Song Book



 
  A57A
Title:Altdeutsches Liederbuch (OLMS)
Publisher:Böhme, Franz Magnus. Breitkopf & Härtel / Wiesbaden
Year or Century of Publication:1877 / 1966
Additional Information:660 Lieder in Text und Melodie auf 832 Seiten.
Volkslieder der Deutschen nach Wort und Weise aus dem 12. bis zum 17. Jahrhundert.

Auszug aus dem Vorwort des Verfassers Franz M. Böhme:
'Deutschland gilt mit Recht als das liederreichste, sangeslustigste und sangeskräftigste Land der Erde: trotzdem haben wir Deutschen noch keine Sammlung unserer Volkslieder mit ihren Weisen aus alter Zeit. Deutsche Volkspoesie der Vorzeit und damit zugleich alte deutsche Sitte und deutsches Volksthum der Vergessenheit zu bewahren hat es zwar seit einem Jahrhundert nicht an Männern gefehlt, die es als ihre schönste Lebensaufgabe betrachteten, die alten verschütteten Denkmäler aufzusuchen und durch Veröffentlichung wiederaufgegrabener Schätze auch Andern Gelegenheiten zu geben, sich in die Vergangenheit mit ihren Sitten und Unsitten zurück zu versetzten, zu lernen oder sich an alten Sagen, Märchen und Liedern erfrischen.
Seit Herders Vorantritt hat man dem Volksliede in Deutschland eine rege Aufmerksamkeit gezollt, den Worten desselben in allen Gauen nachgeforscht. Mit hochschätzbaren Provinzialsammlungen beschenkten unsere Literatur Meinert (Kuhländchen), Hoffmann (Schlesien), Meier (Schwaben), Müllenhoff (Schleswig-Holstein), Ditfurth (Franken), Pröhle (Harz), M. Schuster (Siebenbürgen) und Andere. Wir haben auch allgemeine Sammlungen seit dem 'Wunderhorn' bis auf Simrocks und Fr. Mittlers's Volkslieder, darin Altes und Neues in Menge, aber ohne Musik dargeboten wird. Die vom allverehrten deutschen Dichter und gelehrten Forscher L. Uhland 1844-45 herausgegebene Sammlung 'Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder' war der erste und wohlgelungene Versuch einer kritischen Behandlung des alten Volksliedes. Sie hat als grundlegendes, kanonisches Werk über mittelalterliches Volsklied die verdiente Anerkennung überall gefunden; eine Blumenlese edelster Art hat sie durch planmäßige dargebotene, kritisch gereinigte Texte einen hohen wissenschaftlichen Werth. Und in der Auswahl, wer könnte einen seinen Sinn und richtigen Takt bethätigen, als Uhland es gethan, der auf die geheimsten Regungen der Volksmuse lauschende Freund, Kenner und Förderer des Deutschthums! Aber doch mit seiner hochschätzbaren Sammlung das Bild des mittelalterlichen Volksgesanges uns nur erst halb entrollt, so lange die zu den Texten gehörenden, wirklich nor vorhandenen Sangweisen fehlen. -----

Ich glaube nicht, daß die überreizten, verwöhnten Ohren des gegenwärtigen Geschlechts an diesen primitiven Melodien Wohlgefallen finden, an ihrem Ernst und ihrer Kraft sich wieder zu erfrischen und zu stählen suchen werden und man jemals wieder zu jener Einfachheit des Gesanges der Vorzeit zurückkehren wird: denn andere Zeiten, andere Lieder! Auch wird mein Buch kaum dazu beitragen können, den guten alten Volksgesang im Herzen des deutschen Volks wieder erstehen zu machen, der leider auf der großen Landstraße und in den Städten längst verschwunden ist und nur noch in wenigen abgeschlossenen Thälern sich kümmerlich fristet, nächstens aber wohl erlöschen wird. Nun, so möge es mit seinen Denkmälern deutscher Herzinnigkeit und Sangeslust der Vorzeit uns und unsern Nachkommensagen: 'So war es einst!' Und so zieht denn hinaus, ihr alten, längst verklungenen Lieder, und macht euch Freunde!'
Dresden, am 2. September 1876.