Historische Liedersammlungen



 
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Titel:Fränkische Volkslieder - Teil 1 Geistliche Lieder, Teil 2 Weltliche Lieder (OLMS)
Herausgeber / Verlag:Ditfurth, Franz Wilhelm Freiherr von. Olms Verlag / Hildesheim
Erscheinungsjahr / Zeitalter:1855 / 1999
Weitere Information:Teil 1 - Geistliche Lieder mit ihren zweistimmigen Weisen, wie sie vom Volke gesungen werden, aus dem Mund des Volkes selbst gesammelt und herausgegeben.
80 Lieder in Text und Melodie auf 154 Seiten

Auszug aus dem Vorwort zu den geistlichen Liedern:
'Die geistlichen Lieder die hier folgen, bilden den ersten Theil der bald erscheinenden fränkischen Volkslieder überhaupt.
Es war nicht Aufgabe Kirchenlieder zu geben, sondern grade vorzugsweise solche, die außerhalb der Kirche vom Volke gesungen werden, wobei allerdings manchein derselben gebräuchliche nicht ausgeschlossen bleiben konnten, sobald sie den volksthümlichen Character, besonders in den Melodien, an sich trugen.
Sie zerfallen selbst wieder in zwei Abtheilungen, obwohl gleichen Inhalts und ebenmäßig geordnet. Die in der ersten nämlich, finden sich den Weisen nach fast nur noch im Munde des Volkes vor, selbst die Worte sind noch zum größten Theil unedirt, und erhalten sich nur durch mündliche Mitheilung, fliegende Blätter und geschriebenen Liederbücher. Alle sind zweistimmig und genau so wiedergegeben, wie sie das Volk wirklich singt.

Diejenigen aber der zweiten Abtheilung sind dem Gebiete der Kunst entsprungen, in mehr oder weniger populairen Form; und nur einige Weisen scheinen aus dem weltlichen Liede hier aufs geistliche herübergezogen zu seyn.
Sie kamen wol besonders durch den ehemaligen Brauch ins Volk, nach welchem die Lehrer mit ihren Singchören bei verschiedenen Anlässen im Laufe des Jahres vor den Häusern der Ortsnachbaren zu singen pflegten; denn seit dem Abkommen dieses Brauches verstummen sie immer mehr, besonders die Mollweisen, während die Melodien er ersten Abtheilung unverändert fortbestehen. Auch sind sie jetzt fast nur noch von alten Leuten zu hören, die sie in der Schule so lernten. Dies Erlernen in der Schule erklärt auch sonst dem Volksmunde nicht geläufige Schwierigkeiten in Führung der zweiten Stimme.'

Teil 2 - Weltliche Lieder mit ihren zweistimmigen Weisen, wie sie vom Volke gesungen werden, aus dem Mund des Volkes selbst gesammelt und herausgegeben.
Aufgeteilt in folgende Themen:
Balladen, Liebeslieder, Hochzeit- und Ehestandslieder, Geschichtliche Lieder, Soldatenlieder, Jäger- und Wildschützenlieder, Handwerkslieder und Verwandtes, Zechlieder, Vermischtes.


Auszüge aus dem Vorwort zu den weltlichen Liedern:

Aus 'Inhalt und Ausdrucksweise':
'Der Inhalt des Volksliedes ist so verschiedenartig wie das Leben des Volkes selbst, aus welchem es ja, meist alks reines Gelegenheitsgedicht, entspringt. Bald sind es äußere, besondere Vorfälle und Begebenheiten, wie Krieg, Mord, Feuer- und Wassernoth und anderes Unglück, so wie wunderbare Rettung aus diesen Übeln, Verlieren und Wiederfinden des geliebten Gegenstandes u.a., bald die ganze Welt innerer Gefühle und Empfindungen, in Freude und Lust, Trauer und Leid, die hier zur Erscheinung kommen. Das Hauptthema aber, welches sich in unzähligen Abstufungen durch alle Stadien der Leidenschaft bewegt, ist die Liebe, und die dahin bezüglichen Lieder werden auch immer die allgemein gangbarsten und bleibendsten seyn, da ihr Inhalt wol am lebendingsten in jedes Menschen Brust wiedertönt, während die anderen mit der Erinnerung an den besonderen Vorfall leichter verhallen, oder einer Umbildung Raum geben. Diesere reiche Inhalt äußert sich bald stolz und kühnkräftig, bald wehmüthig und sehnsüchtig, bald ernst und zärtlich; immer aber dem Geiste des Liedes gemäß, wahrhaft lyrisch, fern von allem Gesuchten, von aller Reflexion, vielmehr wie sich von selbst gestaltend und überall auf Gesang gegründet. Weichliche Sentimentalität, oder gallige Verbissenheit und Giftigkeit, wie letzteres namentlich so viele moderne Freiheitslieder enthalten, kennt das echte Volkslied nicht. Ein von so viel Galle bittere Wund singt doch wol auch nicht mehr, und das Volk liebt die Süßigkeit des Gesangs.'

Aus 'Form':
'Auch die Form des Volksliedes ist mehrfacher Art, wiewol überall doich höchst einfach. Die am meisten vorkommende und daher auch in sich als erste Grundform anzunehmende, ist der dreigliedrige Bau, welcher am deutlchsten in den sechs- und achtzeiligen Gesätzemn hervortritt. Da wo mehr oder weniger Zeilen vorhanden sind, erscheint dieser dreigliedrige Grundbau in der Melodie, sofern er sich nicht, wie meist in den vierzeiligen Liedern, in die andere Grundform, in die zweigliedrige zurückzieht.'