Song Book



 
  HR415-1
Title:Volkslieder in Bayern, Tirol und Land Salzburg gesammelt. Mit vielen Melodien nach dem Volksmund aufgezeichnet von Hyacinth Abele (REPRINT- GROSSFORMAT)
Publisher:Hartmann, August. Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel / Nürnberg
Year or Century of Publication:1884
Additional Information:170 Lieder, teils mit Melodien auf 256 Seiten.
Diese Lieder wurden vom Volke aus dreierlei Anlaß gesungen. Im Kreise der ländlichen Familie verkürzten sie die langen Winterabende, besonders, in den Stunden der Christmette und bis zum Feste der Erscheinung des Herrn oder der drei Könige. Vater und Mutter sang sie der Kindern vor, welche dieselben später auf nachfolgende Geschlechter vererbten.
Zweites war es üblich, daß solche Lieder durch umherwandernde Personen vor und in den Häusern angestimmt wurden. Diese Sitte läßt sich in Schwaben und Thüringen schon seit dem 14. Jahrhundert nachweisen, ist in Bayern vom 15. bis 18. Jahrhundert bezeugt und noch heute an vielen Orten erhalten. Man nennt den Brauch in der Heimat unserer Lieder das 'Ansingen', 'Anklöpfeln, 'Klöckeln', 'Sternsingen', 'Rauhnachtsingen' u.s.w. Auch das Umhertragen eines Sternes begnet schon im 16. Jahrhundert.
Freilich, bereits die ältesten Nachrichten sind - Verbote; letztere wiederholen sich dann später vielfach und dauern bis zur Gegenwart fort. Man ist aber zu weit gegangen, indem man von Seite der Behörden einfach als 'Unfug' und 'Bettelei' einen Brauch zu unterdrücken suchte, der sich einer wohlwollenderen Betrachtung vielmehr als Ausdruck von Gemüth und Sinnigkeit im Volke darstellt.
Nun aber habn wir eine dritte und besonders merkwürdige Vewendung der volkstümlichen Hirten- und Dreikönigslieder zu nennen. Man trug sie nicht nur im häuslichen Kreise und beim Ansingen vor, sondern sang sie auch in der Kirche, und zwar gilt dies gerade von manchen Liedern, die im Dialekt und im heitersten Tone abgefaßt sind.
Noch jetzt, berichtet Weinhold (Weinhold-Spiele und -Lieder aus Süddeutschland und Schlesien. Graz 1853) dies und teilt zwei solche Lieder im Dialekt mit, die in steirischen und kärntischen Kirchen ehemals gesungen wurden. Noch jetzt, erzählt er 1853, seien die mundartlichen Hirtenlieder in der Christnacht in den steirischen Kirchen gebräuchlich; hier 'stimmt sie der Vorsänger oder Mesner an, meist nach Beendigung des Gottesdienstes, wo einzelne Andächtige zu einer Privaterbaung beisammen bleiben.'