Song Book



 
  HR31
Title:Schlesische Volkslieder mit Melodien (OLMS Reprint)
Publisher:Fallersleben, Hoffman von. Breitkopf & Härtel / Leipzig
Year or Century of Publication:1842/1973
Additional Information:300 Texte samt Melodien auf 362 Seiten.
Aus dem Munde des Volkes gesammelt und herausgegben von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Ernst Richter.
Beigebunden ist 'Deutsche Volkslieder - Eine Nachlese aus Schlesien' von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.

Auszug aus dem Vorwort:
'Im Sommer 1836 besuchte ich einen Freund auf dem Lande. Ich hörte gegen Abend die Grasmädchen singen. Ich forschte nach - sie sangen Volkslieder, die mir des Sammelns werth erschienen. Ich erhielt nachher von der Hand eines dieser Mädchen Aufzeichnungen und faßte nun den Entschluß, in Schlesien weiter nach Volksliedern zu suchen. Einige Jahre später gewann ich die Überzeugung, daß Schlesien wirklich noch eine unbenutzte und ergiebige Fundgrube für das deutsche Volkslied sei. Mancher glückliche Fund und die eifrige Unterstützung einiger Freunde führten mich auf den Gedanken, eine Sammlung schlesischer Volkslieder aus dem Munde des Volkes zu veranstalten. Ich verband mich zu diesem Zwecke mit meinem Freund Richter. Wir theilten uns die Arbeit: ihm sei der musicalische Theil, mir das Übrige zu.
Im Januar 1839 machte ich in den Breslauer Zeitungen auf user Unternehmen aufmerksam. Zu Ende des Jahres bat ich in unser beider Namen die Freunde des Volksgesangs, uns mit Beiträgen zu unterstützen. Um ihnen deutlich zu machen, was für eine Art Lieder wir suchten, fügte ich ein großes Verzeichnis von Volksliederanfängen hinzu. Unsre Bitte blieb nicht ganz erfolglos, doch wären wir auf diesem Wege niemsls zu einem sonderlichen Ergebisse gelangt, wenn wir nicht einen anderen eingeschlagen hätten. Richter suchte die Zöglinge des hiesigen evangelischen Schullehrerseminars für unser Unternehmen zu gewinnen und wußte sie auf das aufmerksam zu machen, worauf es hier eigentlich ankomme. Wir erhielten gleich nach dem ersten Ferienausfluge der Seminaristen eine große Ausbeute, Texte und Melodien aus den verschiedensten Gegenden. Auf ähnliche Weise wie Richter wußte und Herr Oberlehrer Karow I. durch die Bunzlauer Seminaristen viele vortreffliche Beiträge zu verschaffen. Da wir selbst nur in Breslau und den nächsten Umgebungen sammeln konnten, so mußten wir anderswo uns auf die Unterstützung unserer Freunde und Bekannten verlassen. Der gute Wille war nirgend zu verkennen: man sendete uns Texte und Melodien in großer Anzahl, leider aber oft solche die gar nicht für unsere Zwecke paßten. Viele Sammler wußten gar nicht, worauf es ankam: sie schickten, was sie unter dem Volke gehört hatten. Deshalb fühlte ich mich veranlaßt, näher das zu bezeichnen was wir wünschten. Dies geschah denn am 15. Juni 1840 in beiden hiesigen Zeitungen.' Breslau den 1. November 1842. Hoffmann von Fallersleben.

'Es bleibt dem Unterzeichneten, die Melodien in unserer Sammlung betreffend, im Ganzen wenig zu bemerken übrig; sie werden für sich selbst sprechen. Sie leben im Volke und sind sein Eigenthum geworden; sie kommen vom Herzen und gehen zum Herzen. Einfach in der Tonfolge, im Rhythmus und in der Modulation, sind sie jedem verständlich, der seinen Geschmack noch nicht gänzlich an modernem Geklingel verdorben hat. Dabei bieten sie für den Musiker so viele interessante Züge, hinsichtlich der Construction u.s.w dar, daß die Beschäftigung mit denselben eben so angenehm als lehrreich ist. Es ist wahrscheinlich bewunderswerth, wie das erfindende oder umbildende Volk, welches die Gesetze, nach denen der Künstler seine Melodien bildet, nicht gekannt, sondern nur ohne alle klare Anschauung im Gefühle getragen hat, für den jedesmaligen Gefühlsmoment stets das Rechte getroffen hat. Der harmonischen Begleitung sind die Melodien wohl fähig, aber sie bedürfen - im Gegensatz zu den meisten neueren Compositionen - derselben nicht. Aus diesem Grunde ist auch nur hier und da eine zweite Stimme beigefügt worden. Das Volk bildet, wenn zufällige Umstände dies erheischen, ohne Lehrmeister und auf der Stelle eine zweite Stimme. Tonika und Dominante, also die für die Naturtöne angewiesenen Begleiter, geben in der Regel den Stoff. Ich habe die von ihren Feldarbeiten am Feierabend zurückkehrenden Landleute oft belauscht und diese meine Ansichten bestätigt gefunden. Auffallend war es mir dabei, daß man die Lieder fast durchweg sehr hoch anstimmte. Männer- und Frauenstimmen sangen in der Regel unisono, und mischte sich bei manchem Liede eine Begleitung ein, so war sie jederzeit in der oben angegebenen Art und dann treffend.'
Breslau, im November 1842. Ernst Richter

Die Lieder sind in folgende Themenbereiche eingeordnet:
Balladen, Nr. 1-41
Märchen, Nr. 42-52
Liebeslieder, Nr. 53-170
Jägerlieder, Nr. 171-183
Ehestandslieder, Nr. 184-200
Handwerkslieder, Nr. 201-200
Soldatenlieder, Nr. 228-261
Vermischte Lieder, Nr. 262-270
Wiegenlieder, Nr. 272-276
Geistliche Lieder, Nr. 277-300