Historische Liedersammlungen



 
  A1294
Titel:Volkslieder aus der badischen Plalz (GROSSFORMAT)
Herausgeber / Verlag:Marriage, Elisabeth Dr. M. Verlag von Max Niemeyer / Halle a.S.
Erscheinungsjahr / Zeitalter:1902
Weitere Information:290 Texte, meist mit Melodien, auf 404 Seiten.
Gesammelt und mit Unterstützung des Großherzoglich Badischen Ministeriums der Justiz, des Kultus und Unterrichts herausgegeben von Dr. M. Elisabeth Marriage. Herrn Professor Wilhelm Braune in Dankbarkeit und Verehrung gewidmet.

Auszug aus dem Vorwort der Herausgeberin:
'Um Fastnacht 1897, als ich schon seit einigen Monaten in Heidelberg Germanistik studierte, wurde ich von einer Freundin bei einer ihrer bekannten Bauernfamilie dort eingeführt. Das war der erste einer langen Reihe von Besuchen, der Anfang einer angenehmen Bekanntschaft mit der Tochter des Hauses und ihren Kameradinnen. Bei warmem Wetter begleiteten mich die Mädchen Sonntags auf weiten Spaziergängen durch den Wald. Sobald wir das grüne Siebenmühlthal hinauf an der letzten Mühle vorbei kamen, stimmten sie an und sangen ein Lied nach dem andern. Wenn wir uns auf dem Rasen ausruhten, oder beim Einkehren ins Wirtshaus, diktierten sie mir mit bewundernswerter Geduld die Liedertexte, die ich noch nicht kannte. Die Reinheit dieser Texte war ihnen eine wichtige Sache; wieder und wieder mußte ich ihnen das Aufgeschriebene vorlesen und vorsingen; und immer waren sie freundlich bereit die Lieder nochmals durchzusingen, bis alles ins Reine gebracht war. Ich betrachtete mich als Mundstück und schrieb alles auf, wie ich es hörte, Sinn und Unsinn zusammen. Wenn hier oder dort trotz aller Mühe in der Weise ein Fehler sein sollte, werden die Leser sich freundlich daran erinnern, daß es nicht immer eine leichte Aufgabe ist dem Sänger nachzuschreiben, wie zum Beispiel wenn er falsch singt oder fast keine Singstimme mehr hat. .....
Die verheirateten Frauen haben viel zu schaffen und verlieren in der Ehe unter Brotsorgen ihre Freude an Poesie und Gesang; freilich mit einigen rühmlichen Ausnahmen. Zum Beispiel sagte mir ein Mädchen: 'Wenn mei Mutta nit singt, wird sie glei krank.' Von den Mädchen also ist es am leichtesten die Lieder zu lernen, wenigstens für eine Frau. Oscar Schade spricht davon, wie die Bauern nicht begreifen können, was ein studierter Mann an ihren alten Stücken finden könne, und deshalb zuerst wenig mittteilsam werden. Eine Ausländerin aber, die unvollkommenes Deutsch spricht, kommt den Bauern nicht so erschreckend 'gebildet' vor; und wenn der Sammler gerne mitsingt, können sie nicht mehr glauben, daß er sich über ihre alten Lieder lustig mache. Die Sammlung machte also nach und nach gute Fortschritte.' London, Fastnacht 1900. M.E. Marriage.